Lola randl der große garten. Lola Randl: Der große Garten. Ein Osterspaziergang in Gerswalde

Dazwischen schießt der Frühlings-Schnittlauch, blüht der Pfirsich, werden die Schafe geschoren und das Rosinenbrot gebacken, der Sturm überstanden und der Agapanthus umgetopft Im Frankfurter Literaturhaus hat Lola Brandl daraus gelesen — und darüber mit Sandra Kegel gesprochen
Es will doch der Schein gewahrt werden im Dorf, das immer wach und wachsam ist Literarisch ist an ihnen vor allem, dass sie auf ihre Funktionen reduziert sind und — abgesehen von Hermann und Irmgard, einem alten Ehepaar-Urgestein und dem kleinen Sohn Gustav — keine Namen haben
Dieser in einer betont einfältigen, geradezu kindlichen Diktion erzählte Roman bietet deutlich mehr, als der einfallslose, an einen Gartenratgeber erinnernde Buchtitel erahnen lässt, wie ihn ja auch das naive Umschlagbild suggeriert Es soll eine Rückkehr zur Natur, zum Einfachen sein
Eigentlich macht die Irmi die beste Rhabarbermarmelade im Dorf, wobei ich glaube, dass eigentlich der Hermann die Marmelade macht und Irmi nur die Aufkleber draufklebt Das klingt nach einer Utopie, die sich aber mehr so ergeben hat
Die Erzählerin möchte ein Gartenbuch schreiben und beschäftigt sich daher mit den Pflanzen, wenn sie nicht gerade an ihre Therapie denkt oder an ihren Liebhaber Es gibt einen Kulturdesigner, der Workshops darüber anbietet, welche Workshops man anbieten könnte
Da sind die Nachkommen derer von Arnim, die sich wieder zu etablieren versuchen Und bevor der Humor am Ende noch gewinnt … Das Buch der kurzen Momente Lola Randl hält sich nie lange bei einem Thema auf
Mit ganz unterschiedlichem Sympathiegrad sind die Protagonisten ausgerüstet — was Lola Randls Buch so besonders macht, ist die stete Verquickung von Naturbeobachtung, Eigenbeobachtung und der Blick aufs große Ganze Das ist neben dem Humor das zweite großartigte Element an diesem Buch
So schön, dass diese historische Gegend in den letzten Jahren wieder und wieder in der deutschsprachigen Literatur beschrieben wurde Auf dem platten Land, auf das sich die Ich-Erzählerin zurück gezogen hat, weil das Landleben von der Stadt aus gesehen so idyllisch und vielversprechend aussieht
Sie berichtet von ihrer Flucht aus Berlin in ein kleines Dorf der Uckermark, wo sie eine alte Gärtnerei gekauft hat, mit der sie im Selbstversuch zum bäuerlichen Leben zurückfinden will Als wir unserer Familie, die genau dort aufgewachsen ist, sagen, wir machen einen Ausflug nach Gerswalde, sehen sie uns nur verständnislos an: was wollt ihr denn da? Rezensentin Katrin Schumacher freut sich über den sanften Spott, den Lola Randl über ihr Uckermark-Dorfleben ausgießt
Das Schloss galt als Vorburg der mittelalterlichen Wasserburg wenige Meter entfernt Man lernt, wie man Schnecken bekämpft indem man zerbrochene Eierschalen ausstreut, darauf zerschneiden sie sich , und dass man niemals Äpfel und Kartoffeln zusammen lagern sollte
Der Sturm heißt Xavier, kommt aus dem Norden und trifft Gerswalde, diesen komischen kleinen Kosmos in der Uckermark Und warum neigt der Mensch dazu, seine Triebe zu unterdrücken, wo die Pflanzen doch gerade deshalb erfolgreich sind, weil sie ihren Triebdrang niemals zügeln? Ein hipper Traum, den die Autorin Lola Randl leben wollte
Und so ist es dann auch mit der Stille bald vorbei Eigentlich hatten sie sich vorgenommen, die Sachen lieber nur noch wirklich zu erleben und nicht zu posten, aber die Judasohren waren einfach zu gut
Deutscher Buchpreis 2019 Jeden Tag stellen wir ein Buch vor, das für den nominiert wurde
Vom Film her hat Lola Randl ein Gespür für szenische Verknappung und Dialoge und sie besitzt einen genauen, liebevoll-ironischen Blick auf die Menschen ihrer Umgebung Und trotzdem gibt es eine Schwelle, unter der es sich nicht herumspricht
Dazu gehört natürlich auch ein eigener Garten - und dessen Gestaltung gibt sie ebenso Raum Denn Landleben ist nicht nur Idylle
Wichtiger aber sind die weltanschaulichen Fragen, die Lola Randl in einem ausgesucht naiven Ton vorträgt, so als rede da ein kleines Kind über Gott und die Welt Das kommt ihrem literarischen Debüt zugute
Dadurch hat jeder Dorfbewohner die Möglichkeit, schweigend darüber hinwegzugehen; auch wenn die Wahrheit offensichtlich ist, ist keiner verpflichtet, sie zur Kenntnis zu nehmen. Der besondere Reiz besteht darin, wie Lola Randl auf witzige, überraschende Art und Weise Natur und menschliche Verfasstheit ins Verhältnis zueinander setzt. Lola Randl, 1980 in München geboren und in einer bayrischen Ökokommune aufgewachsen, ist bisher als Filmregisseurin und Drehbuchautorin hervorgetreten. Seitdem sie wissen, dass Wasserleitungen einfrieren, die Regenrinne verstopft und sie jede Woche die Mülltonnen rausstellen müssen, sind sie wieder viel mehr an dem Kulturangebot in der Stadt interessiert. In dem die Drehbuchautorin und Regisseurin Lola Randl mit ihrem Mann lebt, mit ihren beiden Kindern, ihrer Mutter und ihrem Liebhaber, mit den alteingesessenen Bewohnern wie etwa Irmi und Hermann und dem Dorfchronisten und mit vielen neuen Menschen aus der Stadt, die hierhin gekommen sind, um für kurz oder lang vom Dorfleben zu kosten. Es nennt sich zwar Roman, ist aber eher eine sehr persönliche Betrachtung oder eine Art Tagebuch, indem es ein Jahr von der ersten Aussaat bis zum Wintergemüse protokolliert und dabei das Dorf zum Kosmos weitet. Doch so richtig will die Hinwendung zur Natur und einem einfachen, unkomplizierten Leben nicht gelingen: zum Ehemann gesellt sich der Liebhaber, und als das Verhältnis mit ihrem Analytiker zu eng wird, wird dieser von einer Therapeutin abgelöst. Und wenn sich dann zum Mann und den Kindern noch die Mutter, ein Liebhaber, ein Analytiker und Wühlmäuse in den Garten gesellen, weiß selbst die Therapeutin aus der Stadt nicht mehr weiter. Aber so viel Naivität ist mir dann doch zu viel. Für Leser, die für Gärten überhaupt nichts übrig haben, könnte das Buch vielleicht nicht das Richtige sein.
26|13|24